Hinweis: Ich habe im Osram Innovationszentrum in Berlin gearbeitet, dem vermeintlich „start-up-artigen“ Teil von Osram.
Es begann alles schon überaus chaotisch und hätte für mich anfangs ein großes Warnzeichen sein sollen. Man kennt diese Artikel, in denen man liest, auf welche roten Fahnen man in einem Bewerbungsverfahren achten sollte – hier gibt es sie alle. Unvorbereiteter Interviewer. Drei bis vier Personen, die den Kandidaten gleichzeitig interviewen. Whiteboard-„Codierung“. Das Stellen von nutzlosen Wissensfragen, die der Interviewer selbst auf Wikipedia nachschlagen musste. Ein unorganisierter Gesamtprozess (ich musste 6! mal für dieses und jenes hingehen) und dann eine Versetzung, bevor ich überhaupt angefangen hatte und eine weitere kurz danach, weil sie immer irgendwo einen Personalmangel haben und das Management gerne die Leute neu verteilt, um das auszugleichen.
Das Team ist ein Mix aus 6 Beratungsfirmen, einem Dutzend Freelancern und ca. 10 internen Mitarbeitern, verteilt über ganz Deutschland, Europa und die USA. Die Stimmung war sehr schlecht, als ich anfing. Fast 6 Monate später verließen die meisten der Mitarbeiter, die bei meinem Einstieg dabei waren, das Unternehmen wieder. Insgesamt haben wir in einem Jahr etwa 20 Mitarbeiter verloren, wobei wir nie mehr als 12 auf einmal hatten. Einige wenige verließen sogar schon wenige Wochen nach meinem Einstieg das Unternehmen. Das zeigt schon, wie schlecht der Bewerbungsprozess, die Stimmung und das Management ist.
Hinzu kommen mehrere Budgetkürzungen und Einstellungsstopps aufgrund der allgemeinen Entwicklung bei Osram. Obwohl die Geschäftsführung uns immer wieder versicherte, wie wichtig unsere Arbeit und dass dies die Zukunft von Osram sei, ist sie uns mehr als einmal mit Budgetkürzungen in den Rücken gefallen und hat uns mit seltsamen Anforderungen, um irgendeiner Hierarchie zu gefallen, ausgebremst. Das war im Grunde genommen ein weiterer Nagel in den Sarg, um dort eine vernünftige Teamzusammenstellung zu erreichen.
Auch die Strategie wurde aus klaren oder unklaren Gründen ein paar Mal geändert. Insgesamt fehlte dort die echte Führung völlig. Mehr als einmal gab es keine Klarheit darüber, was wir tun sollten oder was wir erreichen wollten und der Mangel an inspirierender und engagierter Führung war frustrierend. Die ständige Intransparenz der Entscheidungen und der Umgang mit den Externen (die mehr als 2/3 des Teams ausmachten) trugen nicht dazu bei, die Dinge voranzutreiben oder gar einen vernünftigen Teamgeist zu fördern.
Ich kann das Unternehmen niemandem empfehlen, obwohl es innerhalb der Teams eine Menge talentierter Personen gab. Ich schätze, mit mehr Unabhängigkeit vom Unternehmensteil und einer guten Führung hätte dieses Innovationszentrum Erfolg. Das war es, was ich mir zumindest erhofft hatte und was mich zum Bleiben bewegte. Aber nachdem ich nun mehr als ein Jahr dort bin, habe ich vor der Ignoranz des Managements kapituliert.